Gedanken zum Thema Entscheidung

Gedanken zum Thema Entscheidung
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Entscheidung beinhaltet das Wort „Scheidung“. Man muss eine oder mehrere Optionen aufgeben, die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges dieser Optionen sinkt auf Null. Dies zu akzeptieren fällt uns nicht immer leicht. Im folgenden Beitrag möchte ich neun Denkanstöße geben, die helfen sollen, eine Entscheidung zu treffen. Viel Spaß beim Lesen.

1. Der Mythos der richtigen Entscheidung

Ich behaupte, dass es keine richtigen Entscheidungen gibt. Denn nach jeder Entscheidung ergeben sich neue Situationen, die wir nicht voraussagen können. Genau dies ist ein Ausdruck der Komplexität unserer Umwelt. Komplexität dürfen wir unter keinen Umständen mit Kompliziertheit verwechseln. Eine komplizierte Sache können wir in kleinere Einheiten zerlegen und dann jedes Teilproblem untersuchen. Bei komplexen Dingen sind die Zusammenhänge sehr stark und die Zerlegung in Teilprobleme ist nicht möglich ohne das komplexe Gebilde zu verändern. Daher müssen wir also das große Ganze betrachten und sind in gewisser Weise auch dem Zufall (bzw. den Entwicklungen, die wir nicht kontrollieren können) ausgesetzt. Aber gerade darin liegen viele Chancen, für die wir offen sein müssen, um sie zu erkennen. Leider fokussieren wir uns oft zu sehr auf die (negativen) Risiken.

Wenn überhaupt, dann können wir Entscheidungen zum Zeitpunkt des Fallens bewerten. Bewertungen im Nachhinein führen können lehrreich sein, aber wir sollten uns davor hüten, Entscheidungsreue zu entwickeln.

2. Vorweggenommene Entscheidungsreue vermeiden

Aus Angst, eine Entscheidung zu bereuen, treffen wir keine Entscheidung und bereuen später genau das. Aber der status quo muss nicht zwangsläufig die beste Option sein, da wir uns ständig an neue Bedingungen anpassen müssen. Diese Anpassungsfähigkeit nennt man auch Resilienz.

Eine Entscheidung im Nachhinein zu reflektieren ist ein guter Weg, Erfahrungen zu sammeln. Diese neuen Erfahrungen helfen uns bei unseren zukünftigen Entscheidungen. Reue hingegen bezieht sich auf Dinge, die wir nicht mehr ändern können. Entweder können wir also Reue vermeiden, indem wir uns neu entscheiden, falls wir der Meinung sind, dass der eingeschlagene Weg uns nicht unseren Zielen näherbringt. Oder es bleibt uns nichts anderes übrig, nicht mehr änderbare Entscheidungen akzeptieren und uns neu darauf konzentrieren, wohin wir in Zukunft gehen sollten. Schon Konfuzius wusste zu unterscheiden, auf welche Weise wir klug entscheiden und handeln können.

Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.

Konfuzius

3. Vorsicht vor der „Tyrannei der Wahl“ und Informationsflut

Zu viele Informationen legen uns förmlich lahm. Es wird immer schwieriger in der Informationsflut, die wesentlichen von den unwesentlichen Informationen zu trennen. Darüber hinaus ist es auch schwieriger geworden die Vertrauenswürdigkeit einer Quelle einzuschätzen. In unserer Jagd nach der richtigen Entscheidung trachten wir danach, soviel Informationen und Alternativen wie möglich zusammenzutragen. Aber jeder muss für sich seine eigenen Bewertungsmaßstäbe entwickeln und die gefundenen Informationen filtern. Die Filter müssen auf die individuellen Werte kalibriert sein, um richtig zu funktionieren. Dann ist es möglich, die Anzahl der zur Verfügung stehenden Optionen einzuschränken und unsere Entscheidung leichter zu treffen. Unzählige Vergleichsportale und Ratgeber leben von diesem Bedürfnis.

4. Sich der eigenen Denkfehler bewusst sein

Unsere Wahrnehmung ist längst nicht so perfekt, wie wir selbst das glauben wollen. Die unterschiedlichsten Effekte verzerren das Bild und beeinflussen unsere Entscheidung. Einige bekannten Denkfehler sind hier aufgelistet.

  • Basisratenfehler
  • Selbstüberschätzung (overconfidence)
  • Halo-Effekt
  • Konjunktionsfehler
  • Verfügbarkeitsfehler
  • Verankerung (framing)
  • Wishful thinking
  • Bestätigungsfehler
  • Kognitive Dissonanzen

Wer sich näher mit diesem Thema beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Nobelpreisträger Daniel Kahnemann empfohlen. Das Buch ist absolut lohnenswert, aber definitiv nichts für zwischendurch und behandelt noch viele andere spannende Themen, diverse aha-Momente inklusive.

Auch Rolf Dobelli hat zwei Bücher, die noch dazu unterhaltsam und leicht zu lesen sind, zu diesem Thema geschrieben. In kurzen Geschichten beschreibt er kurzweilig, amüsant und mit einem Augenzwinkern diverse Fallstricke unseres Denkens.

5. Einen Wechsel der Perspektive wagen

Bei wichtigen Entscheidungen können wir zur Analyse und Betrachtung eine andere Perspektive einnehmen. Dies ist insbesondere bei Entscheidungen, die wir nur selten treffen, empfehlenswert. Denn in diesen Fällen können wir nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen und unsere Intuition funktioniert dann nicht. Am besten holen wir uns Ratschlag von Personen, die schon einmal vor einer ähnlichen Entscheidung standen bzw. die schon erfolgreich den geplanten Weg gegangen sind.

Blickwinkel können grundsätzlich problemorientiert oder lösungsorientiert sein. Beide haben ihre Berechtigung. Problemorientiertes Denken hilft uns, das Problem zunächst richtig zu erfassen und die Entscheidung richtig zu formulieren. Lösungsorientiertes Denken öffnet dann unseren Blick auf die Auswahl der richtigen Option.

Zwei hilfreiche Methoden sind die Visualisierung des besten Ergebnisses (best case) und des schlechtesten Ergebnisses (worst case):

  • Negative Visualisierung: Ich stelle mir vor, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Oft stellt sich dabei heraus, dass die Konsequenzen nicht so dramatisch sind, wie wir zunächst vermutet haben. Mut kann auch die Erkenntnis bringen, dass einem im Leben meist nicht die schlimmsten Konsequenzen drohen.
  • Positive Visualisierung: Ich stelle mir vor, was im besten Fall passieren könnte und welche Chancen sich zukünftig ergeben könnten. Mit dem Wissen um diese Möglichkeiten erlange ich Motivation, um eine Entscheidung zu treffen.

6. Mut zur eigenen Entscheidung beweisen

Mut zur eigenen Entscheidung zeigen! Niemals dürfen wir die Verantwortung für die Entscheidung aus der Hand geben. Stets sollten wir Verantwortung dem eigenen Handeln gegenüber zeigen. Entgleitet uns die Kontrolle über die eigene Entscheidung, dann sind wir nicht mehr selbstbestimmt. Wird einem die eigene Entscheidung abgenommen, muss dass nicht immer negative Konsequenzen haben (ein persönliches Beispiel finden Sie hier). Dennoch haben wir die Kontrolle abgegeben und jemand anderen über uns bestimmen lassen.

Sollte sich eine Entscheidung tatsächlich als falsch herausstellen, dann steigt auf jeden Fall der Erfahrungsschatz, getreu dem Motto: „Aus Fehlern lernt man“. Viele Entscheidungen lassen sich zudem auch wieder korrigieren, falls nicht, dann sei auf das oben zu Entscheidungsreue gesagte verwiesen. Eine Entscheidung kann immer nur unseren zukünftigen Weg beeinflussen, niemals können wir die Vergangenheit ändern.

Verstehen kann man das Leben oft nur rückwärts, doch leben muss man es vorwärts.

Sören Kierkegaard

Sich bewusst Entscheidungssituationen stellen schult unser Vermögen, Entscheidungen zu treffen. Daher sprechen manche sogar von einem Entscheidungsmuskel, den man trainieren kann.

Unentschlossenheit lähmt! Das Verharren im Status quo mag sicher erscheinen. Das kann sich aber als Trugschluss herausstellen.

7. Emotionen vernebeln den Blick, habe sie daher im Griff

Angst und Zweifel lähmen uns. Sie gehören zu den negativen Emotionen und insbesondere diese sind keine guten Ratgeber für eine Entscheidung. Angst kann als Ausdruck von Kontrollverlust interpretiert werden. Blende Dinge aus, über die du keine Kontrolle hast und konzentriere dich auf die Dinge, die du unter Kontrolle hast, zum Beispiel deine eigene Vorbereitung, wie es einst Tennisprofi Arthur Ashe treffend formulierte.

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist Selbstvertrauen. Ein wichtiger Schlüssel zu Selbstvertrauen ist Vorbereitung.

Arthur Ashe

Übertriebenes positives Denken (wishful thinking) führt zu Euphorie und wir blenden rationale Argumente aus. Dies erklärt manches Verhalten am Aktienmarkt, wo jeder meint, den „Markt“ austricksen zu können und besser Performance zu erzielen. Dies sind Beispiele für verzerrte Wahrnehmungen, die ich weiter oben bereits erwähnt habe.

Zorn ist uns auch kein guter Ratgeber. Er führt zu impulsiven Entscheidungen (die wir im Nachhinein anders treffen würden). Man denke nur an einen Streit in der Arbeit, in dessen Verlauf man den Job lieber sofort hinschmeißen möchte. In diesem Fall hilft oft durchatmen, Ablenkung suchen und nicht der ersten Frustration nachgeben. Im Extremfall drohen sogar fatale Konsequenzen, insbesondere wenn Rache im Spiel ist.

Wer auf Rache aus ist, der grabe zwei Gräber.

Konfuzius

Angst, Zorn und (übertriebene) Euphorie sind keineswegs vernünftige Ratgeber, darum lieber einmal bewusst versuchen, die Emotionen in den Griff zu bekommen, bevor wir eine Entscheidung fällen. Es ist keine gute Idee, seine Emotionen vollkommen zu ignorieren, da wir damit wahrscheinlich entscheidungsunfähig werden würden.

8. Glauben, dass man alles erreichen kann, was man will

Leider ist das ein Trugschluss, ein Elefant wird niemals ein guter Kletterer, so sehr er sich das auch wünscht. Ebenfalls kann nicht jeder Profibasketballer oder Schachgroßmeister werden, weil es die individuellen Fähigkeiten nicht hergeben. Einzusehen, dass manche Dinge außerhalb des Erreichbaren liegen gibt Raum für die Ziele, die wir erreichen können, anstatt einer Illusion nachzujagen. Gefahr droht hier in Gestalt des Dunning-Kruger-Effektes, der besagt, dass inkompetente Menschen dazu neigen, ihr eigenes Können gnadenlos zu überschätzen. Für Ihre Arbeiten erhielten David Dunning und Justin Kruger im Übrigen im Jahr 2000 den Ig-Nobelpreis (Ich finde die Erkenntnis aber durchaus interessant und allzu oft leider auch bestätigt).

Allerdings neigen wir dazu unser Potential zu unterschätzen. Das eigentliche Limit sind daher nicht die oben beschriebenen Grenzen (die man trotzdem im Blick haben sollte) sondern Selbstzweifel, Bequemlichkeit (die eigene Komfortzone und Trägheit) sowie die Abneigung, Risiken einzugehen (Risikoaversion).

Ich halte diese Gefahren für realer als allzu illusorische Ziele. Beispiele für Visionäre, die entgegen jeder herrschenden Meinung ihre Ziele verwirklichten, gab und gibt es zur Genüge.

Jedes Individuum muss seine eigenen Ziele entwickeln, da wir alle uns in unseren individuellen Fähigkeiten unterscheiden. Unser Bestes geben sollte daher ein erstrebenswertes Ziel sein und den Rahmen für unsere Ziele setzen.

Ziele müssen größer sein als das was du dir jetzt vorstellen kannst, weil Wege entstehen, indem man sie geht. Erfolgreiche Menschen wissen, wann es sich lohnt und wann man eine Sache aufgeben sollte. Aber dies zu wissen ist die eigentliche Kunst.

9. Die Tugend als Leitstern für weises Entscheiden und Handeln entdecken

Am wichtigsten ist es, unserem Denken und Handeln einen Rahmen zu geben, da wir uns an diesem orientieren können. Dieser Rahmen stellt unsere Werte bzw. Tugend dar, nach denen wir leben und arbeiten. Unsere Tugend soll uns den Rahmen für unser Denken, Entscheiden und Handeln vorgeben. In der Tradition der Stoiker können vier Charakterzüge der Tugend unterschieden werden:

  • (praxisbezogene) Weisheit: Sie ermöglicht es uns, Entscheidungen zu treffen. Es handelt sich daher um unsere gesammelte Lebenserfahrung, die anwendungsrelevant ist.
  • Mut: Nicht nur körperlich sondern auch umfassend unsere Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Eben den Mut zu haben, Dinge zu entscheiden und dann auch umzusetzen.
  • Mäßigung: Sie hilft uns, unsere Begierden und Gelüste unter Kontrolle zu halten und uns auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren (Spielsucht, Nachrichtensucht, Sucht nach sozialen Medien, usw.)
  • Gerechtigkeit: Sie legt den Maßstab an unser Handeln und zwingt uns dazu, andere Menschen (Tiere, wertvolle Sachen) zu respektieren und fair zu behandeln.

Das waren meine Gedanken zum Thema Entscheidung. Ich hoffe, es waren ein paar interessante Dinge dabei und das Thema ist jetzt etwas verständlicher geworden. Vielleicht gibt es Zustimmung oder Ablehnung. Auf jeden Fall freue ich mich auch über Ergänzungen und Kommentare aber auch über Anregungen zu neuen Themen oder Fragen.

Herzliche Grüße euer

Gerne könnt ihr auch meinen Newsletter abonnieren, um keinen neuen Beitrag mehr zu verpassen.

#entscheidung #entscheiden # #ziele #denken #handeln #motivation #emotionen #denkfehler #tugend #zweifel #angst #zorn #mut #iljapawel #entscheidungsreue

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Wird geladen
×